WEINHIER – Die Neue Pfalz heisst auch Schwedhelm von Frank Ebbinghaus

Für viele deutsche Winzer war der Jahrgang 2013 eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre. Für einen nicht: Stephan Schwedhelm, Jahrgang 1979, der gemeinsam mit seinem Bruder Georg (links abgebildet) seit ein paar Jahren den elterlichen 17 Hektar-Betrieb in Zell/Pfalz führt, hat ausgerechnet in diesem schwierigen Jahr an der Qualitätsschraube gedreht. Mir waren die Weine bei der Berliner GG-Premiere Anfang September stark aufgefallen. Das Weingut Klosterhof Schwedhelm ist (noch) kein VDP-Mitglied, durfte sich aber als eines der „Pfälzer Spitzentalente“ des VDP in Berlin präsentieren. Beeindruckt hat mich, mit welcher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit hier Weine gelangen, wo manche GG von VDP-Spitzenerzeuger doch noch hart mit sich rangen.

Und wirklich: Ein schwieriges Jahr war es für die Schwedhelms eigentlich nicht. Der Ertrag lag nur minimal unter dem Durchschnitt „normaler“ Jahre. Die Säure ist zwar etwas höher, aber perfekt integriert. Die Weine schmecken richtig reif. Was bedeutet: Mineralische Finesse bei moderaten 12,5% Alk. entsprechen dem Stilwillen der Erzeuger. Pfälzer Barock ist hier unerwünscht.

Von den Eltern hat man einen breiten Rebsortenspiegel geerbt. Ein paar Jahre brauchte es, bis die Brüder herausfanden, welcher Weinberg für welche Rebsorte am besten geeignet ist. Riesling und Burgundersorten rücken ins Zentrum. Denn mag auch das schöne Zellertal ein wenig abseits der Wertschätzung vieler Weinfans liegen, die Schwedhelms sind vom großen Potential ihrer Weinberge sehr überzeugt. „Das Zellertal hat einzigartige Böden,“ erklärt Georg, der für Marketing und die Bücher zuständig ist, während Stephan über Weinberge und Keller herrscht, „Südhänge mit Kalk und Ton, bis 35 Prozent Steigung, schön windig – ein wenig wie im Burgund“.

Und wirklich: Alle Weine, die ich probierte, sind stark durch den Kalkboden geprägt. Er gibt ihnen Eleganz, Finesse und diesen unverwechselbaren Kalkstein-Geschmack, eine ganz feine, fast kreidige Aromatik, in der immer wieder gelbe Früchte, Ingwer und Quitte schmeckbar sind – sehr apart. Und sehr lecker. Die Weine lassen sich prima trinken – keine mineralischen Monster, die ob ihres kompromisslosen Stils nur ehrfürchtig bestaunt werden können.

Richtig gut gefällt mir der 2013 Weißburgunder trocken Karlspfad Erste Lage. Die Trauben stammen aus einer massiven, mit Mergel durchsetzten Kalkterrasse des Zeller Kreuzbergs. 2013 erbrachte diese Parzelle perfekt gereifte und sehr gesunde Trauben. Und so entschloss man sich, diesen Weißburgunder, von dem ein Viertel des Mostes im Tonneau ausgebaut wurde, erstmals als Lagenwein mit höherem Qualitätsanspruch zu vermarkten. Der Wein duftet nach reifen Melonen, Birnen, Quitten und Kalksteinmineralität, ja, er stinkt sogar ein bisschen. Am Gaumen wirkt er kühl, mineralisch, elegant, die hohe Säure (immerhin rund neun Gramm/Liter) ist sehr gut integriert. Zugleich wirkt der Wein sehr reif, gelbe Früchte, etwas Süße kommt durch, am zweiten Tag auch Birne, zerlassene Butter, etwas Vanille, aber alles bleibt auf der frischen mineralischen Seite.

Sehr verschlossen ist der 2013 Zeller Kreuzberg Riesling trocken Erste Lage Wotanfels, der einer Parzelle unter einer acht Meter hohen, bizarren Kalkfelsformation entstammt. Der Wein wirkt sehr schlank (12 % Alk.), gibt nach einigem Glasschwenken etwas süße und leicht rauchige Exotik preis, am zweiten Tag lassen sich rote Früchte erahnen. Sehr interessant, braucht aber noch Flaschenreife.

Spitzenwein ist der 2013 Zeller Schwarzer Herrgott Riesling trocken Große Lage. Er entstammt einem mehr als 60 Hektar großen Weinberg, dessen größter Teil auf rheinhessischem Gebiet liegt. Dort erzeugt das Weingut Battenfeld-Spanier (Hohen-Sülzen/Rheinhessen) das Mölsheimer Zellerweg Am Schwarzen Herrgott Riesling GG – einen trockenen Spitzenriesling von einigem Renommee.

Ich habe beide Weine parallel verkostet. Das ist natürlich unfair, schließlich kostet das berühmte GG dreimal so viel und sein Erzeuger ist viel erfahrener. Doch nur der Vergleich mit einem Spitzengewächs kann die Maßstäbe für das Qualitätsstreben eines jungen Betriebes liefern und zugleich die bereits erreichte Güte der Weine richtig einordnen helfen.

Die GG von Battenfeld-Spanier habe ich in den letzten Jahren ab und zu verkostet, sie haben mich stets beeindruckt, getrunken habe ich sie jedoch bisher nie. Das wird sich ändern. Denn das 2013 Riesling Schwarzer Herrgott GG hat mich schwer begeistert. Ein sehr komplexer, feiner, fast femininer Riesling, der auf einzigartige Weise Aromen von Crème brûlée und Tahiti-Vanille (ohne jede Süße und Schwere) mit Melone, Apfelsine und dann vor allem mit saftigem weißen Pfirsich ohne Kitsch und Schwere verbindet, wozu Mineralität und Säure beitragen – ein verführerischer Schleiertanz, der sich da am Gaumen abspielt.

Und der Schwarze Herrgott von Schwedhelm? Er glänzt – um eine Paradoxie zu bemühen –  im Schatten seines übermächtigen Konkurrenten. An dessen dramatische Sinnlichkeit reicht er nicht heran, doch beweist er genug Klasse, um sich neben dem GG zu behaupten. Mit einer klaren mineralischen Nase, die nach reifem Apfel, Vanille, Kalk und Ingwer duftet, mit viel Zug, großer Säurefrische, reifen Apfelaromen, die am zweiten Tag von herrlich frischem, reifen Weinbergspfirsich abgelöst werden. Der feine Kalkstein ist immer präsent und auch am achten Tag zeigt das letzte Glas kaum Ermüdungserscheinungen. Ein herrlicher Wein, der gerade mal zwölf Euro ab Hof kostet.

Das Weingut Klosterhof Schwedhelm gehört zu den vielen jungen Betrieben in Deutschland, die nach einem Generationswechsel erfolgreich zu neuen Ufern aufbrechen. Die Schwedhelms haben die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung abgeschlossen, aber dogmatisch sind sie nicht, sondern feilen mit wachem Blick an ihrer Weinqualität. Sie wissen, dass sie noch nicht da sind, wo sie hinwollen. Aber sie sind fest entschlossen, ihre Ziele zu erreichen. Von Familientraditionen lassen sie sich nicht fesseln. Gerade haben sie das Elternhaus abgerissen, um eine moderne Vinothek zu errichten (die Mutter nahm’s gelassen). Abbruch auch hier, der ein Aufbruch ist.

 

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