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WEINHIER – Der 2013 Riesling GG-Shitstorm

DER 2013 RIESLING GG-SHITSTORM von Stuart Pigott

Wie so oft in unsere Welt geht es auch auf dem Planeten Wein manchmal gleichzeitig um eine Sache selbst und um ganz andere Dinge. Zweifelsohne haben viele der trockenen 2013er „Große Gewächse“ (GGs) von den Mitgliedern des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) gerade ein wohl verdiente Kritik geerntet. Leider gibt es unter der neuen Elite des trockenen deutschen Weißweins in diesem Jahrgang eine ganz Reihe schwacher Weine und einige schwer enttäuschende Gewächse für Preise jenseits von 30 Euro. Das wurde so laut gesagt und so deutlich geschrieben, dass kaum ein weininteressierter Mensch in Deutschland es nicht mitbekommen hat. Die Weinkritik wurde seit Jahren für tot erklärt, aber jetzt wirkt sie plötzlich verdammt lebendig und tatkräftig!

Beim Wein gibt es die gleiche erbarmungslose Regel wie  bei allen anderen Luxusgütern: je größer die Kluft zwischen den Qualitätsversicherungen eines Produzenten und den wahren Eigenschaften seines Produkts, desto heftiger fällt der kritische Rückstoß aus. Manchmal muss man lange auf diese Reaktion warten, bei den 2013er GGs ging es jedoch sehr schnell. Seit der ersten offiziellen Präsentation der Weine Ende August in Wiesbaden wurde die Quittung für die Selbstgefälligkeit des VDP geliefert. Jetzt herrscht gar ein Shitstorm um die kritisierten Weine.

Aber jede Story hat eine Backstory, und die Backstory zu den 2013er GGs liefern die GGs aus den Jahrgängen 2012 und 2011. Das waren allgemein zwei sehr gute Jahrgänge für den deutschen Weißwein (aber auch für den deutschen Rotwein),  und viele GGs beider Jahrgänge wurden zu Recht bejubelt. Zwar gerieten die sehr kräftigen und konzentrierten 2011er durch die sehr charmanten und eleganten 2012er ein wenig in den Hintergrund, aber wenn die besten 2011er ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, wird ihre wahre Größe nicht mehr abzustreiten sein. Zwei tolle Jahrgänge in Folge führten aber bei Kritikern wie Konsumenten zu einem gesteigerten Bedürfnis nach kritischen Worten. Sie waren also ein Nebenprodukt der Lobeshymnen über diese Weine. Oder ist es wirklich realistisch, dass jeder Jahrgang den Vorgänger übertrifft? Für manche Weinfachleute und Weinfreaks kamen die 2013er Weine wie gerufen zum pauschalen Schlachten: weg damit!

Mit den Jahrgängen 2011 und 2012 tischten die Mitglieder des VDP eine nie zuvor erreichte Zahl von sehr beeindruckende trockenen Weißweinen auf. Damit legten sie die Messlatte für die 2013er Weine sehr hoch, wobei viele der VDP-Winzer selber hätten merken müssen, dass die 2013er nicht immer die nötige Qualität und Eigenart für GG haben. Aber nun hatte man die GG als neue, teure Produkte erfolgreich am Markt eingeführt und viele Kunden heiß darauf gemacht. Jetzt wollte man unbedingt schnell einen Nachfolger liefern können, damit die Erfolgsgeschichte nicht abreisst. Dabei wurde oftmals zu sehr auf die Ausdrucksstärke (Terroir muss sein!) des Weins geachtet ohne Rücksicht auf seine  Harmonie. Damit haben diese Winzer den Kritikern die Munition zugespielt und den Shitstorm förmlich herbeigerufen.

Wer Geduld hat und die Entwicklung der besseren, aber noch unfertig schmeckenden 2013er GGs lange genug  verfolgt, wird feststellen, dass in ihnen eine Menge Substanz steckt. Wie die Weine des ähnlich strukturierten,  aber nicht ganz so ausdrucksstarken Jahrgangs 2008, werden sich die besten Weine aus 2013 sehr gut auf der Flasche entwickeln. Hier denke ich vor allem an die Weine von Gut Hermannsberg in Niederhausen und Schäfer-Fröhlich in Bockenau (beide Nahe) oder an Wittmann in Westhofen/Rheinhessen. Das sind Langläufer-Weine, die momentan noch etwas ruppig daher kommen. Bis sie sich beruhigt und harmonisiert haben wird sich der Markt schon mit den 2014er Weinen beschäftigen. Diese 2013er Weine waren für manche Kritiker einfach Stinker, auch wenn vor ein oder zwei Jahre das gleiche Aroma als „Sponti“ (ein Zeichen der Spontangärung ohne zugesetzte Hefe) gefeiert wurde. Genauso geht es mit dem mineralisch-säurebetonten Geschmacksfinale vieler Weine, eine Eigenschaft, die als Zeichen von Authentizität häufig angepriesen wurde, aber jetzt manchmal geradezu verdammt wird, weil sie doch ein wenig aggressiv wirkt.

Der Jahrgang 2013 legt sehr deutlich eine Spaltung innerhalb des VDPs bloß. Ein Flügel vermarktet unter dem Namen „Großes Gewächs“ (im positiven Sinne) fruchtbetonte Weine, die eine gewisse Fülle mit einer ansprechenden Frische vereinen. Ein andere Flügel bietet möglichst langlebige Weine mit starkem Terroir-Charakter unter der gleiche Bezeichnung, wobei diese Winzer einige unattraktive Noten (Stichwort Reduktion, das Gegenteil von Oxidation) in der Jungend des Weins (jünger als zwei bis drei Jahre) in Kauf nehmen, weil sie ihre Weine auf eine optimale Entfaltung nach fünf bis 15 Jahren Lagerzeit und darüber hinaus konzipieren. Über einige unharmonische, säuredominanten 2013er GGs hatte ich bereits ausführlich geschrieben – sie sind hier nicht gemeint.

Zum Glück gibt es eine Reihe VDP-Weingüter, deren 2013er GGs schon jetzt  genug Charme aufweisen, um heute mit Genuss getrunken zu werden, die aber auch über genug Rückgrat verfügen, um sich viele Jahre sich fortentwickeln zu können. Hier eine Liste von den Gütern, wo alles stimmt.

Fritz Haag in Brauneberg/Mosel

Reinhold Haart in Piesport/Mosel

Dr. Loosen in Bernkastel/Mosel

Heymann-Löwenstein in Winngen/Terrassenmosel

Dönnhoff in Oberhausen/Nahe

Emrich-Schönleber in Monzingen/Nahe

Franz Künstler in Hochheim/Rheingau

Achim von Oetinger in Erbach/Rheingau

Fred Prinz in Hallgarten/Rheingau

Robert Weil in Kiedrich/Rheingau

Kühling-Gillot in Bodenheim/Rheinhessen

Winter in Dittelsheim-Hessloch

Acham-Magin in Forst/Pfalz

Pfeffingen in Bad Dürkheim/Pfalz

Dr. Wehrheim in Birkweiler/Pfalz

Hans Wirsching in Iphofen/Franken

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New York Riesling Diary: Day 14 – Wine of the Month October 2014 is the New York Yankees Riesling

‘New York Yankees’ Dry Riesling from Anthony Road in the FLX for $24.99

Of course, as no-sports Englishman (currently) in New York I am not able to fathom all the intricacies of baseball, but then I cant do the same for cricket, the British equivalent, either.  It wasn’t difficult to get what the New York Yankees mean to the people of this fair city. That happened without me going to one of their games, or even watching a whole game on TV, so fundamental is it to what being a New Yorker means. Now the Yankees have their own Riesling, from Anthony Road in the Finger Lakes (FLX), which is literally a game changing development for my favorite grape here in New York Wine City (NYWC). When I first learnt about that my jaw literally dropped in shock: baseball and Riesling!? I thought it was baseball, hotdogs and beer.

That the Yankees have their own Riesling is a big surprise to me, but not the choice of Anthony Road. It was one of the most consistent Rieslings producers in the FLX over the decade that I have been closely following developments in the region due to the winemaking talents of Johannes Reinhardt (now of Kemmeter Wines just next door) and the successor he trained, current winemaker Peter Becraft. They are also one third of the ‘Tierce’ dry Riesling, a blend of dry Rieslings from Fox Run, Red Newt and Anthony Road, the 2010 vintage of which was served at the lunch for the 57th Presidential Inauguration (the beginning of Obama’s second term) at the Capitol in Washington DC on January 21st 2013. That and the Yankees Dry Riesling are a sure sign of mainstream acceptance and success for the FLX and the region’s Riesling wines.

The way the wine tastes is the final confirmation of the rightness of all this. Although 2013 is a less consistent vintage than 2012 and the ripeness was sometimes clearly less than ideal this wine has generous apple and lemon aromas, lively rather than dominant acidity and great balance. And if you want to have a similar taste experience without the Yankees label for slightly less money, the regular 2013 Dry Riesling from Anthony Road is $16.99.

2013 ‘New York Yankees’ Dry Riesling is $24.99 from

Anthony Road at their FLX tasting room at 1020 Anthony Road in Penn Yan/NY

or at their stand on Saturdays at the Green Market in Union Square/NYWC

or by going to: http://www.anthonyroadwine.com

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New York Riesling Diary: Day 12 – The Last Summer of Riesling Ends, but Riesling’s Sparkle Lives On & A Last Word on the New York Wine Riot

All good things must come to an end…

Yesterday evening was almost the end of the 7th Summer of Riesling festival in America. The self-proclaimed Riesling Overlord Paul Grieco did not pose in front of a banner declaring “Mission Accomplished”, in fact there was no photo opportunity at all and I had to furtively snap the picture of him below with Irene Vagianos (left) of Wines of Germany USA. The central points of themodest celebration at Terroir Murray Hill, were the first NYWC screening of my WATCH YOUR BACK – The Riesling Movie (Part 1) and a magnum of the 35oth anniversary bottling of 2011 Berncasteler Doctor Spätlese from the Dr. Thanisch (VDP). The audience included several Finger Lakes winemakers, German wine importer Andrew Rich from Boston, MA and Mani de Osu of the Neodandi fashion label, now based in NYC.

On the one hand there was the sense of an era ending. When I began work on my book BEST WHITE WINE ON EARTH – The Riesling Story (Stewart, Tabori & Chang) on February 1st 2012 the idea of the Summer of Riesling ending two and half years later seemed so absurd that I never even considered it. However, during the summer of 2012 I got to see a variety of problems with this project as it broadened its appeal and started to get watered down by half-hearted participants who just wanted to ride a wave. There were also “musical differences” between members of the “band” running it. On the other hand, yesterday evening there was also a strong sense that the cards are being reshuffled, and something new is already taking shape that will pick up where the Summer of Riesling leaves off. The Riesling Invasion in Portland, OR and the City of Riesling in Traverse City, MI both of which I was lucky to be part of showed how events tailored made to locations are the way forward.

I have been requested to provide the text of the 60 second Riesling Slam which I delivered at the beginning of each of my 12 Riesling Crash Courses during the New York Wine Riot. Here it is as:

It’s RiEsling not RIesling, the correct pronunciation of German-Born grape variety that gives the BEST WHITE WINE ON EARTH!!! Riesling is unique amongst all wines, white or red, in being everything from featherlight to ton heavy, from bone-dry to honey-sweet, and every conceivable combination of those things. Every good Riesling tastes of where it grew, the season which ripened the grapes and the people who made it. Seductive aromas and dazzling freshness are what give this enormous diversity of wines a family resemblance. Riesling Fan Numero Uno, Paul Grieco, says that DRINKING RIESLING MAKES YOU A BETTER PERSON. I say MAYBE. But if you drink Riesling then some of it’s sparkle will surely rub off on you. MAY THE FORCE BE WITH YOU!!!

Racing against the clock here in my sun room here on West 16th Street I certainly can say all that in 60 seconds. However, I never managed it at the New York Wine Riot. Thanks to everyone who endured my attempts to do so!

For the final blast of the final Summer of Riesling in America head to any Terroir wine bar tonight, Monday, September 22nd where all by the glass Rieslings are $8 per glass during happy hour and $10 per glass for the rest of the evening. See the following link for the final thoughts of the Riesling Overlord:

http://restauranthearth.com/terrior/SoR_Final_Page_9.22.14.pdf

 

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New York Riesling Diary: Day 11: Riesling Fans of New York unite at Wine Riot! / See you Tonight art the New York Premier of WATCH YOUR BACK – The Riesling Movie

My strong belief in the power of the new generation of Riesling fans was enormously strengthened by those I met at the New York Wine Riot yesterday and the day before. I don’t know the names of any of these people, but I do know that even if they didn’t all yet love Riesling when they walked into the New York Wine Riot they certainly all do now!

Sometimes people called me the “Pope of Riesling”, the “Emperor of Riesling” and similar stuff, but all I’m really doing is being a catalyst that brings these people together in a peaceful and, hopefully, exciting way. Maybe, sometimes, I give them some nugget of information that helps to stimulate their interest and curiosity. If so then that’s great.

In fact, this time they all did me a great service, because they forced me to fill the space that was provided and gave me the energy to do so. I used to laugh when people talked about “Rock Star Wine Guys”, but now I’m beginning to see that it’s literally possible. Why did I make this discovery at Wine Riot? Because the average age of those who took part was just under 30!

What the Wine Riot convinced me of is that it may “only” be wine and “only” Riesling at that, but if you do it right you can crank up the volume and turn that into a rock culture phenomenon, and those rock culture things all grow the largest size in America! You can be sure that I intend to part of this thing whatever it gets called.

That all seems to me to be some kind of omen of things to come, although what they might be I certainly can’t tell you know. Tonight at 10pm at Terroir Murray Hill (439 Third Avenue, between 30th and 31st Streets) when my WATCH YOUR BACK – The Riesling Movie receives its NYWC premier. Below is a picture of the amazing daredevil Riesling Road Trip driver Devin (left) and my cameraman Marcarthur Baralla setting up one of the shots for the movie’s final scene. Hope to see you there.

PS If anyone decides they don’t like appearing on my blog just let me know which image you’d like to remove and I will do so.

 

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New York Riesling Diary: Day 10 – WINE RIOT, I wanna a Riot, WINE RIOT, a Riesling Riot of my own!

This T-shirt said almost everything about the New York WINE RIOT, the third and final session commences at 7pm this evening. Anyone who attends has the chance to experience one or more of the four Riesling Crash Courses I will give then, just as I have during the first session yesterday evening and the second session this afternoon. But, as I say this image doesn’t say everything, for which reason I need to show you the following series of revealing images.

The picture above gives you some kind of general idea of the scenery, but you need to get in close as in the following picture of the Loosen Bros. USA team (thank you Ian on the left and Kirk on the right, also for the wines for my German-themed Crash Courses) to really get how unhinged the Wine Riot really is.

It is great to see local produce, that means wines from New York State wineries so well represented. There was a slew of good Finger Lakes (FLX) wines, most prominently the Rieslings and it was buzzing around those stands, as you can see from the picture of John Iszard of Fulkerson winery below.

Sometimes wine industry people here in the city and elsewhere in US go on to me about how women play to  small a role in the wine scene, well my observation at the New York Wine Riot was that both behind and in front of the stands there were at least as many women as many. As an example I present the image below of the two FLX Katies (Katie Roller of Wagner on the left and Katie Roisen of Hosmer on the right).

I would love to write more and more perceptively, but I must grab something to eat and head back for the final session. As I bellow into the mike before each of my Riesling Crash Courses, “NEW YORK WINE CITY THE RIESLING CLOCK IS TICKING!” Also for me!

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New York Riesling Diary: Day 10 – WATCH YOUR BACK – The Riesling Movie (Part 1) & New York WINE RIOT

Honestly, when I wrote yesterday’s posting I didn’t sit down to write a lecture on very cool climate viticulture, or to brag about having planted a small, but daring vineyard in an edgy location, but I guess I ended up doing exactly those things. Sorry! What I should have done was concentrate upon my appearance this evening and tomorrow afternoon & evening at the NEW YORK WINE RIOT (at the 69th Regiment Armory, 68 Lexington Ave) and the screening of my film WATCH YOUR BACK – The Riesling Movie (Part 1) at Terroir Murray Hill in New York Wine City (NYWC)  at 10pm on Sunday. Admission is free as long as you drink Riesling. As you can see from the picture above, during the two years I was working on this 50 minute mockumentary – a documentary style movie in which fact and fiction are blurred in order to make reality clearer and more entertaining – I got used to watching my back. I’m not sure I can or should stop doing that either.

I would never have been able to make this movie without the help of my producer, editor and cutter Klaus Lüttmer of Dolce Vista film production in Berlin. I also have to acknowledge the vital assistance of Marcarthur Baralla of Defendschee Productions in Brooklyn who shot all the interviews with winemakers and somms and the concluding scene of the movie. Then there are the important people in NYWC like Aldo Sohm of Le Bernardin (pictured with me above at his wonderful new Aldo Sohm Wine Bar) and Paul Grieco of Hearth and the Terroir wine bars and Chris Miller of Harlan Estate in Napa (then of Spago Beverley Hills) who all threw themselves at my project with great energy and enthusiasm, just as I will throw myself at the Wine Riot from 7pm this evening!

There I will be conducting a program of four Riesling Crash Courses per session. The timings are as follows:

Riesling Boot Camp (Aromas) on Friday @ 8pm, and on Saturday @ 2pm & 8pm

Riesling Boot Camp (Acidity) on Friday @ 8:30pm, and on Saturday @ 2:30pm & 8:30pm

Riesling Deep End (America) on Friday @ 9pm, and on Saturday @ 3pm & 9pm

Riesling Deep End (Germany) on Friday @ 9:30pm and on Saturday @ 3:30pm & 9:30pm

To book tickets for the New York WINE RIOT go to:

https://secondglass.com/event-categories/event/NYC-2014-fall/features/

 

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New York Riesling Diary: Day 9 – What do You do if You are a Riesling Against the Stream WINE RIOT?

Come and find out at the NYC WINE RIOT this weekend!

Having come out about being a WINE RIOT I’ve been asked what someone who’s like that actually does. In my case all of this is colored by Riesling, which my new book (published by Stewart, Tabori & Chang) declares to be the BEST WHITE WINE ON EARTH. In America nobody has questioned that title, instead either they cheer me on, launch, smile or give me an ironic wink. However, back in my country of birth England this title is treated with scorn and derision. It has even been suggested to me by someone in the British wine industry that, “you can’t do that!” Of course, the fact is that I just did and I’m not retracting it. However, let’s get back to that question.

Of course, one of the things that you do if you a Riesling Against the Stream Wine Riot is go to the NYC WINE RIOT this Friday evening, and Saturday afternoon and evening and hold a series of a dozen 20 minute Riesling Crash Courses. Against the advice of  friends and colleagues I will begin each Crash Course with a 60 second Riesling Slam into which I will try to pack all the Riesling essentials into that single minute. This will require some practice, for which there is too little time, and probably puts me under too much pressure, so I won’t be telling my therapist about this until I’ve done it and its too late.

To book tickets for the New York WINE RIOT go to:

https://secondglass.com/event-categories/event/NYC-2014-fall/features/

The other thing which a Riesling Against the Stream Wine Riot does is to plant a vineyard just outside Berlin/Germany on the SW side at roughly 52° 30′ North. Back in 2012 the Klosterhof Töplitz wine estate with just under 5 acres of vines on a hillside site just outside Töplitz/Brandenburg came under the direction of the multi-talented Ludolf Artymowytsch. Together with Ludolf I developed plans to plant  a total of just shy of one thousand vines in two corners of the vineyard where the existing planting was struggling for inexplicable reasons. Finally on May, 3rd 2013 a group of friends and I got those vines in the soil and from the above picture you can see how they’ve flourished. Something like 600 of them should bear a small crop next year, which would give us enough wine to fill one (used) barrique, and enable us to begin production of the Wine with the Secret Name.

Now, I know what you’re all thinking: Stuart has planted Riesling. However, I didn’t do that, because I’ve yet to see any evidence that Riesling can be persuaded to ripen with any regularity around 52° 30′ North, and a human Wine Riot couldn’t do something as dumb as planting his favorite grape somewhere that it wouldn’t stand a chance of succeeding. That would be Riesling Fetishism rather than Riesling Love. So I studied the existing local plantings, experimental and commercial and drew up a short list of candidate grape varieties, then whittled that down to just one variety which seems almost ideally adapted to the growing conditions in the Very Cool Climate northeast of Germany.

As you can see from this photograph taken on September 7th this year, that is roughly three weeks prior to the harvest, Grauburgunder (aka Pinot Gris) ripens very well in the climate of the Berlin-Brandenburg area. For those interested in the numbers they had 10% potential alcohol, so ought to come in at 12% – 13%. The 2012 and 2013 dry Grauburgunders from Klosterhof Töplitz are good wines with delicate apple blossom and melon aromas and enough ripe flavors to balance the relatively high acidity for this grape. These were both average vintages and 2014 looks much more promising, also because during the last two years Ludolf and vineyard manager Andreas Schultze have enormously improved the vitality of this organic property. If you think the idea of growing red wine in such a cool location (the summers are actually rather warm, but spring often comes late to this part of Germany) then take a look at these St. Laurent grapes also photographed on September 7th. Here too they had at least weeks of further ripening ahead of them, but were already close to 11% potential alcohol. I’d say that this makes 13% – 13.5% a realistic possibility.

As with the Grauburgunder that means full technical ripeness (sometimes called physiological ripeness, a misleadingly simplistic term), although I don’t think it means that wines like the high end Pinot Gris from Alsace/France or the top St. Laurent from Burgenland/Austria are possible in the Berlin-Brandenburg area. The wines from 52° 30′ N are always going to be lighter in body and structure (I’m talking particularly about tannins) than those of the same grape varieties from warmer climates in more southerly locations where the intensity of solar radiation is higher. Climate change hasn’t abolished those differences any more than it has removed vintage variation.

So which grape variety did I choose? Well, the soils of Brandenburg are primarily sandy and Töplitz is no exception to that rule, in fact the south-facing hillside on which “my” vines are planted is literally a sand dune. This means that drought stress is almost certain in summer at some point. The young vines were lucky in both 2013 and 2014 that these periods were short, but in the future there will also be vintages with longer periods of drought stress. At the Geisenheim wine school which I attended as a guest student in 2008-9 I learnt that while drought stress can be positive for red wines (since it forces the vines to producer more tannins, thereby giving the wine more structure) it can be very negative for white wine grapes. I then searched for an early-ripening red wine grape that grows and ripens well in the Berlin-Brandenburg area.

Dr. Manfred Lindicke of the Wachtelberg site and winery in Werder/Brandenburg proved to me that VB 91-26-19, or Pinotin, pictured above, is such a variety. I had already come across it during my time at the Geisenheim wine school where I learnt that it is a so-called “PiWi”, which means pilzwiederstandsfähige Rebsorte, or fungal resistant grape variety (it is very resistant to powdery mildew and botrytis, and also has good resistance to downy mildew).  As the experienced amongst you will immediately note from the photograph, although the name says that this is a cross between Pinot Noir and another grape it doesn’t look much like Pinot Noir. The wine doesn’t taste much like Pinot Noir, largely because of the berries thick skins, nor do I want it to do so either. The whole point is to make a red wine with very distinctive aromas and flavors, almost none of that coming from the oak barrel(s) it matures in; a wine that will excite a Riesling against the Stream Wine Riot like me!

Now I have to go and practice that 60 second Riesling Slam for tomorrow night and Saturday! See you at the NYC WINE RIOT!

 

 

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New York Riesling Diary: Day 7 – Not only will I be at the NYC Wine Riot, I AM A WINE RIOT!

One of my favorite slogans of the German artist Joseph Beuys, and he was a man of slogans (and in this case perhaps anti-slogans), was “show your wound”. In this spirit, I point out that not only will I be at the NYC Wine Riot on this coming Friday evening and Saturday afternoon and evenings, but I AM A WINE RIOT. Please accept the above photo (by Bettina Keller in Berlin/Germany) as the first piece of evidence to this effect, then come along to the NYC Wine Riot for conclusive proof at one or more of my Riesling Crash Courses. There are four each session, in the following order: Riesling Boot Camp (Aromas), Riesling Boot Camp (Acidity), Riesling Deep End (America), Riesling Deep End (Germany). At any time you will also be able to purchase a signed bargain price ($20) copy of my book BEST WHITE WINE ON EARTH – The Riesling Story, which gives you all the essentials you need to understand the wines of my favorite grape, wine in general, life, New York City, the universe and (almost) everything else. You will also know what I am wearing at that time and on that day – people are already asking me what I’ll wear!

My approach has always been to try and do two things simultaneously that may seem to be hopelessly incompatible: to understand the Riesling in my glass as well as I possibly can from a science-based perspective; to see the same Riesling in the largest and most open possible context, which is as what one literally and metaphorically sober wine scientist recently described to me as, “a really amazing show!” I know a bunch of people in New York Wine City (NYWC) and beyond who do one or other of those things, but I can count the number of people who can do both simultaneously – with Riesling or any other wine – on the fingers of one hand. Of course, I’m also some kind of critic and this is another entire way of looking at wine. The picture below (by Sorin Dragoi of Munich/Germany) captures this aspect of my work best and makes at least three balls that I have to try and keep in the air at once.

Yes, if you are open to Riesling, then it can be a life-changing force that causes a lot of creative chaos and even positively influences you after you sober up. I sometimes feel so inspired when under the influence of Riesling that I started frantically scribbling notes, but more important is how it helps loosen up my mind in all manner of other situations and states when there’s no more ethanol in my bloodstream. Then all kinds of amazing things can happen, unexpected connections are made and I have no doubt that Riesling is a force for good. Come to see me at the New York Wine Riot and until then May The Force by With You!

To book tickets for the New York WINE RIOT go to:

https://secondglass.com/event-categories/event/NYC-2014-fall/features/

 

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WEINHIER – Von der Leichtigkeit des Säurefraßes: 2013 Riesling Kabinett von Frank Ebbinghaus

Riesling Kabinett von der Mosel mit natürliche Süße ist weltweit erfolgreich!

Der Jahrgang 2013 und Riesling Kabinett? Das könnte gut funktionieren. Jedenfalls scheint es ziemlich ausgeschlossen, dass diese Weine übermäßig reif oder gar fett daher kommen — wie es in warmen Jahrgängen leider häufig geschieht. Mit dem Prädikat Kabinett verbindet man leichte, feingliedrige, aber komplexe Weine mit geringem Alkohol und viel Trinkspaß. Zugleich sind es meist echte Terroirweine, oft aus großen, berühmten Lagen und in dieser besonderen Kombination aus Leichtigkeit, Verspieltheit (durch das Zusammenspiel feiner, natürlicher Restsüße mit  Säure und Mineralität), kühler Finesse und großer Individualität eine echte deutsche Spezialität. Der für Robert Parker schreibende Weinkritiker Stephan Reinhardt hat in der Süddeutschen Zeitung vorgeschlagen, Riesling Kabinett zum Weltkulturerbe zu erklären. Das erschient allenfalls jenen Weintrinkerinnen und -trinkern abwegig, die an einem weichen, warmen Sommerabend noch keinen erstklassigen Riesling Kabinett vorzugsweise von Mosel, Saar oder Ruwer im Glas hatten.

Riesling Kabinett ist etwas aus der Mode gekommen. Die Weine sind nicht richtig trocken, aber auch nicht so fruchtsüß wie Auslesen etc. Doch gerade die Klimaerwärmung, die in den vergangenen Jahren den Weinen von Natur aus eine hohe Reife mitgab, hat bei viele Weinfreundinnen und -freunden den Wunsch nach erfrischenden, knackigen Weinen dieser Stilistik neu erwachen lassen. Es gibt also gute Gründe, einer großen Riesling Kabinett-Vergleichsprobe beizuwohnen und die Weine dieses Typs aus dem Jahrgang 2013 kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Wein-Aficionado Martin Zwick führte Samstagabend die Leistungsschau „BerlinKabinettCup“ durch. 32 Riesling Kabinettweine, die blind verkostet wurden, stritten um die Krone des besten dieser Art. Bis auf drei Weine kamen alle Probanden von Mosel, Saar oder Ruwer, was als Hinweis darauf verstanden werden kann, dass dieser Weintyp in den eher kühlen, steilen Schieferlagen besonders gut gedeiht. Allerdings gibt es auch im Rheingau, an der Nahe und in Rheinhessen einige echte Spezialisten, die gestern leider nicht am Start waren, vereinzelt wohl auch, wie im Fall eines sehr berühmten rheinhessischen Winzers gemunkelt wurde, weil man sich allzu geringe Siegeschancen ausrechnete.

Aber wichtiger als die Kür eines Siegers (es gewann der 2013 Karthäuserhofberg Riesling Kabinett vom Weingut Karthäuserhof/Ruwer) war der zwiespältige Eindruck, den die Probe hinterließ: Wie bei den trockenen Großen Gewächsen kämpften zahlreiche Weine mit einer scharfen Säure um Reife und Balance.

Was zur Folge hatte, dass ich etwa zur „Halbzeit“ der Probe das Gefühl hatte, ein Loch hätte sich in Zunge und Gaumen gebrannt. Schon aus Selbsterhaltungsgünden habe ich jene Weine höher bewertet, die Reife und Balance nicht vermissen ließen.

Es wurde verdeckt verkostet. Und groß war mein Erschrecken, als ich beim Aufdecken feststellen musste, dass ich die Weine zweier absoluter Großmeister restsüßer Rieslinge komplett verrissen hatte. Nach der Probe habe ich aus den Resten, die in den Flaschen verblieben waren, nachverkostet. Doch der Befund bleib gleich. Der 2013 Schwarzhofberg Kabinett von Egon Müller (Saar) roch zwar reif, fruchtig und nach diesen eleganten Schiefernoten, die Egon Müllers weltberühmte Weine aus dem Schwarzhofberg so verführerisch und groß machen. Aber am Gaumen stellte sich recht bald eine schneidende Säure ein, die in einen überaus adstringierenden Abgang führte. Dieser Wein ist der mit Abstand teuerste der Probe. Er kostet im Handel knapp unter 50,- Euro!

Der andere sehr prominente Problemkandidat (sonst ebenfalls ein unübertroffener Meister des restsüßen Riesling Kabinett und persönlicher Favorit) war das Weingut Reinhold Haart (Piesport/Mosel)  und sein 2013 Piesporter Goldtröpfchen Riesling Kabinett. Die Nase umfing der Wein noch mit einem schönen Pfirsich-Aprikosenduft. Aber die extreme Säure ließ am Gaumen lediglich mineralische und medizinale Aromen zum Zug kommen, der Abgang war unangenehm adstringierend. Sehr seltsam. Nun muss man zur Ehrenrettung dieser beiden großen Winzer festhalten, dass eine solche Probe nur eine Momentaufnahme ist und dass komplexe Kabinettweine das Recht haben, sich über ein paar Jahre zu entwickeln, um ihr Bestes zu zeigen. Als Beispiel mag der 2009 Graacher Himmelreich Riesling Kabinett des Weingut J. J. Prüm (Wehlen/Mosel) gelten, der als „Pirat“ in diese Probe hinein gemogelt wurde. Der Wein strotzte neben seiner jahrgangsbedingten hohen Reife noch mit Aromen, die von der Spontanvergärung herrühren. Sehr unfertig, aber doch in ein paar Jahren gewiss sehr lecker.

Alles braucht also seine Zeit, auch beim Riesling Kabinett. Doch bezweifle ich, dass jetzt unreif und unharmonisch schmeckende Weine es je mit den besten Weinen der Probe werden aufnehmen können.

Es folgen meine Favoriten. Weil wir zur Punktevergabe genötigt waren, habe ich in meine Favoriten-Liste alle Weine aufgenommen, die zwei Punkte, also nur minimal auseinander lagen. Hinzugezogen haben ich einen Wein, der blind bei mir lediglich im vorderen Mittelfeld gelandet ist, den ich aber auf dem Weingut probiert und privat über drei Wochen getrunken haben und von dem ich finde: Es ist mindestens einer der besten Riesling Kabinett-Weine des Jahrgangs. Die Rede ist von der Saarburger Rausch Riesling Kabinett des Weinguts Forstmeister- Geltz-Zilliken (Saarburg/Saar).

Abschließend betone ich, was bereits in den vorangegangen Zeilen anklang: Die Weine, die mir nicht gefielen, müssen keinesfalls „schlecht“ der gar „fehlerhaft“ sein. Ich finde sie lediglich im Moment und vermutlich auch in den kommenden Jahren unharmonisch und im Wortsinn ungenießbar

Mag ich:

Goldloch Kabinett, Schlossgut Diel (Burg Layen/Nahe).

Erdener Treppchen Kabinett, Jos. Christoffel jr. (Ürzig/Mosel).

Wehlener Sonnenuhr Kabinett, Markus Molitor (Wehlen/Mosel).

Piesporter Schubertslay Kabinett, Julian Haart (Piesport/Mosel).

Dhroner Hofberg Kabinett, A. J. Adam (Neumagen-Dhron/Mosel).

Eitelsbacher Karthäuserhofberg Kabinett, Karthäuserhof (Trier-Eitelsbach/Ruwer).

Maximin Grünhäuser Abtsberg Kabinett, Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert (Mertesdorf/Ruwer).

Saarburger Rausch Kabinett, Forstmeister-Geltz-Zilliken (Saarburg/Saar)

Wehlener Sonnenuhr Kabinett, Dr. Loosen (Bernkasten/Mosel).

Graacher Domprobst Kabinett, Willi Schaefer (Graach/Mosel).

Mag ich nicht:

Schwarzhofberger Kabinett , Egon Müller Schwarzhof (Wiltingen/Saar).

Piesporter Goldtröpfchen Kabinett, Reinhold Haart (Piesport/Mosel).

Graacher Himmelreich Kabinett, Markus Molitor (Wehlen/Mosel).

Schloss Johannisberg Rotlack, Schloss Johannisberg (Geisenheim-Johannisberg).

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WEINHIER – Ich bin Riesling

Foto Bettina Keller

Bitte nicht falsch verstehen: Ich behaupte nicht, nur aus Wein zu bestehen, aber was wäre ich ohne den Wein? Vielleicht ein langweiliger Schuhverkäufer in einem langweiligen Vorort von London.

Ich bin am 26. Mai 1960 im Krankenhaus von Orpington in Südostlondon geboren und war ein sehr introvertiertes Kind. Mein Vater, Peter Malcolm Pigott (1935-1987) stieg 1960 in die Computer-Branche ein und meine Mutter Sheila Pigott (1935 -, geborene Pratt) hängte nach meiner Geburt den Beruf an den Nagel, um mich zu erziehen und zu verwöhnen. Meine Eltern waren oft von mir enttäuscht, weil ich ein mäßiger Schüler war. Dennoch deutete alles auf ein wissenschaftliches Studium hin, einen Job und tägliches Pendeln mit der S-Bahn, so wie es mein Vater tat.

1976 war ich zu feige, um Punk zu werden, obwohl eine Reihe meiner Schulfreunde Kernfiguren der Punk-Szene waren. Ähnlich ging es mir mit meinem Ehrgeiz, Schauspieler zu werden. Vielleicht ist es kein Wunder, dass ich mit 17 eine große Krise erlebte und fast in einer geschlossenen Anstalt landete. 1979 begann ich ein Kunststudium am Goldsmiths College of Art in London, bekam aber im darauffolgenden Jahr keinen Platz für den nächsten Studien-Abschnitt, weil ich ein arroganter Mistkerl war. So jobbte ich ein Jahr lang, zuletzt als Wein-Kellner mit Null-Wissen im Restaurant der Tate Gallery, wo der Wein mich entdeckte! Dabei war (selbstverständlich) der Riesling!

1981 trat ich ein dreijähriges Malerei-Studium in der St. Martins School of Art in London an, wechselte zum Royal College of Art (RCA), um meinen Magister in Kulturwissenschaft zu machen. Nebenbei begann ich über dem Wein – seine Gegenwart und seine Geschichte – zu schreiben. Mein erster Bericht erschien im April 1984 in der Fachzeitschrift ‚Decanter’. Die deutschen Weine wurden schnell zu meinem Hauptthema, auch, weil es wenig Konkurrenz gab. Im Rückblick war mein Studium für mein heutiges Schaffen sehr wichtig. Von meinem Professor Christopher Frayling lernte ich kritisches Denken. Am 6. Juli 1986 schloß ich mein Studium erfolgreich ab und versuchte mich als freiberufliche Kulturhistoriker und Schriftsteller über Wasser zu halten. Ein zäher Kampf, der meine Kreativität leider nicht herausforderte. Nach dem Tod meines Vaters und einigen kleineren Katastrophen wagte ich einen Neuanfang. Im Januar 1989 mietete ich eine Wohnung in Bernkastel an der Mosel, um meine Auseinandersetzung mit dem deutschen Wein und mit Deutschland – Gegenwart und Geschichte – zu intensivieren. Langsam driftete ich seelisch von England ab.

Meine Karriere entwickelte sich langsam, bis ich Ende 1993 nach Berlin gezogen bin. Im Herbst 1994 erschient mein erstes deutschsprachiges Buch. „Wie eine Wildsau“ tituliert der SPIEGEL seinen Bericht darüber. Weitere deutschsprachige Weinbücher folgen und in ihrem Schlepptau eine Vielzahl von Berichten in deutschen und ausländischen Medien zu mir, dem in Berlin ansässigen britischen Schriftsteller. Mit meiner Vorliebe für Kleidung von Vivienne Westwood und einer unkonventionellen, aber deutlichen Sprache gelte ich als „bunter Vogel“.

Photo Soria Dragoi

Inspiriert von den amerikanischen Journalisten Hunter S. Thompson und Tom Wolfe entwickle ich eine revolutionäre Art von Kulturgeschichte des Weins – ich nenne sie „Gonzo“ und meine damit die bedingungslose Recherche, die Einem tief in sein Thema verstrickt. 10 Jahre habe ich mit dieser Methode gearbeitet und eine Trilogie über Wein und Globalisierung (Schöne neue Weinwelt, Argon 2003 / Wilder Wein, Scherz 2006 / Wein weit weg, Scherz 2009) geschaffen. Die Recherche-Kosten trieben mich mehrmals während dieser Zeit an den Rand des Bankrotts, aber mutlos war das Ganze nie.

Neben diesen Werken entstand in Zusammenarbeit mit dem Fotograf Andreas Durst und meinen Ko-Autoren Ursula Heinzelmann, Chandra Kurt, Manfred Lüer und Stephan Reinhardt Wein spricht Deutsch (Scherz, 2007), ein Standardwerk zum Thema deutschsprachigen Weins. Eine lebendige Geschichte der äußerst spannenden und dynamischen Welt des Weins.

Doch wurde mir klar, dass mein Weinwissen lückenhaft bis mangelhaft war. Deswegen studierte ich ab Oktober 2008 zwei Semester auf der berühmten Fachhochschule für Weinbau in Geisenheim/Rheingau. Wegen des Studiums musste ich zwischen Berlin und Rheingau pendeln. Dieses Mal war ich konsequent und mutig: ich habe eine praktische Übung in Weinbau dran gehängt. Christian und Simone Stahl von Winzerhof Stahl haben mir für ein Jahr 10 Zeilen Müller-Thurgau-Reben in supersteiler Lage Hasennest geliehen. Am 15. September 2010 habe ich mein erste Wein in Berlin präsentiert. Heute schriebe ich lieber an der spannende Geschichte des Weins.

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