Category Archives: Wein Telegramm@de

Mein Weintelegramm 128 – endlich die Lange Nacht des deutschen Weins in New York

Paul Grieco von Restaurant Hearth und Weinbar Terroir in New York

“So, Du hast eine Heimat in New York gefunden,” sagte mir Paul Grieco als ich spätabends gedankenverloren mit einem leckeren Glas Mosel-Riesling vom Weingut Weiser-Künstler im Restaurant Hearth saß und über dem vorherigen Abend nachdachte als die erste Lange nacht des deutschen Weins im Hearth statt fand +++ innerhalb Minuten der offizielle Start um 23 Uhr war der Laden so voll, dass es schwierig war durch die Menge zum Tisch sich zu kämpfen wo die Weine standen +++ die haben mein langjährige Partner in Sache Lange Nacht Berlin, Roy Metzdorf vom Restaurant Weinstein in Prenzlauer Berg, und ich ein Paar Monate davor hoffnungsvoll nach New York geschickt +++ “kannst Du mir vom 2001 Egon Müller Scharzhofberger einschenken ?” bat mich ein kräftige Typ und ich war froh zu sehen und hören wie gut dieser Wein aus meinem Schatzkammer bei ihn ankam +++

Fast $3.000 haben die Teilnehmer der Lange Nacht WEIN HILFT gespendet (Foto Marc Metzdorf)

völlig baff waren viele der Besucher wie gut der 2006 Berg Rottland Riesling trocken “Goldkapsel” vom Weingut Leitz in Rüdesheim/Rheingau seine 15% Alkoholgehalt versteckte +++ die ausdruckstarke Hausweine vom Weinstein, die weder die Name noch das Logo von Weinstein tragen haben auch für Verbluffung gesorgt; endlich ist berlinerische Dada-marketing in New York angekommen und es bebt an Madison Avenue ! +++ viele Teilnehmer fand die $40 pro Person Mindestspende an WEIN HILFT (siehe www.weinhilft.de – wir sammlen Geld für die “Hope” Stiftung in Kapsatdt, die gegen HIV /AIDS kämpfen) eher günstig für das vielfältige Anhgebot +++ für mich waren aber die Cabernet Francs aus Long Island von Bruce Schneider die größte Überraschung  des Abends +++ Bruce kannte ich als Direktor von Wines of Germany (DWI) in die USA, aber er ist offensichtlich auch ein begabte Winzer +++ seinen 2006 war der eleganteste Rotwein den ich je aus Long Island verkostete +++ aber die New-York-Weinüberraschungen hörten einfach nicht auf +++

New Yorker Renaissance-Mann des Weins Bruce Schneider

am Tag nach der Lange Nacht lief ich zu Fuß ins Hearth um mein Kopf für eine große Verkostung der 2010er Rieslinge aus dem Gebiet Finger Lakes in Upsatet New York  klar zu kriegen +++ Peter Becraft von Anthony Road Wine Co. brachte 26 Weine von einer ganze Reihe Winzern mit und es war der spannendste Verkostung Finger Lakes Weine die ich je erlebte +++ meine New Yorker Kollegen Joshua Greene (Chefredakteur von Wine & Spirits Magazin) und Howard Goldberg waren nicht weniger beeindruckt als Roy und Marc Metzdorf +++ sicherlich spielte der sehr gute Jahrgang eine Rolle aber wir waren uns einig, dass wichtige Veränderung im Weinberg und Keller auch eine Rolle spielten +++ als kurz vor 18 Uhr unseren Tisch für den Abendservice geräumt wurde erzählte mir Josh Greene, dass er bleiben würde, weil er mit Stephen und Prue Henschke (Mr. & Mrs Hill of Grace) zum Abendessen im Hearth verabredet sei +++ die Henschkes waren dann auch gleich da und ich wurde gebeten mich dazu zu setzen; nicht nur “shit happens” in America ! +++ von Prue Henscke habe ich eine ganze Menge über was Nachhaltigkeit im australischen Kontext (viel Feingefühl und viel Arbeit) verlangt +++ nach dem Essen blieb ich an der Bar mit dem Weiser-Künstler Riesling hängen und beobachtete wie entspannt Paul Grieco das Restaurant bearbeitete +++ es ist tatsächlich wie eine zweite Heimat für ihn, wie es für ganz wenige Restaurateure ist +++  dann sagte mir plötzlich es sei auch meine Heimat in die Stadt die nie schläft +++ widersprechen wollte ich nicht, weil ich mich da sauwohl fühlte +++ seitdem gilt für die Lange Nacht und für Stuart Piott in New York der Spruch,     “home is where the Hearth ist”+++

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Mein Weintelegramm 127

Randall Grahm streckt seine Fühler raus ins "Terroir-Universum"

Manchmal bin ich schon ein wenig verrückt aber schauen Sie Winemaker Randall Grahm (oben) von Bonny Doon Winery in Santa Cruz/Kalifornien an, mit dem ich neulich eine faszinierende Nachmittag im Waterbar/San Francisco verbachte +++ drei Stunden lang versuchten wir die Frage zu beantworten ob es im positiven Sinne Terroir und Weinjournalismus in Amerika gibt, oder nicht +++ weil ich keinesfalls Randall nur als Clown darstellen möchte gibt es ein zweites Bild von ihn (unten) +++ er hat mir einige wunderbare originelle Weine zu kosten eingeschenckt, unter anderem die erste überzeugenden Alvarinho-Weißwein und Nebbiolo-Rotwein den ich in Amerika erlebte +++ dazu gab es zwei großartige Syrah-Rotwein aus 2007 (aus den Lagen Bien Nacido und Alamo Creek) die durch und durch terroir-betont waren +++ ich kenne Randall seit genau 20 Jahre und es war eine wahre Freude zu sehen wie dieser eigensinnige Winemaker neue Geschmacks-Höhen erklimmt und wie die Knete vom Verkauf seiner Pacific Rim Winery in Washington State (wie viel Millionen ist eine 2 Millionen Flasche pro Jahr Super-Premium-Marke wert ?) ihn nicht zur Kopf gestiegen ist +++

Ist das was Amerika wirklich fehlt "Terroir-Körpersprache" ?

Leider gibt es jetzt keine Zeit von der erste Lange Nacht des deutschen Weins in New York zu berichten, aber der ganze Sinn von diesem “Nicht-Blog” ist, dass ich nicht unter Zietdruck stehe, sondern die Bilder und Wörte zusammen suchen kann bis die Geschichten richtig gut sind +++ Alles frie nach dem Prinzip NO FACEBOOK, NO TWITTER, NO BULLSHIT !

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Mein Wein Telegramm 126 mit einer dringende Frage an Renate Kunast

eine ganze Woche nachdem ein Blitz mich auf Fifth Avenue in Manhattan traf bin ich immer noch erschuettert +++ ein SMS aus Uerzig/Mosel informierte mich, dass bei den Koalitionsverhandlungen in Rheinland Pfalz die Gruenen Kurt Becks Draengen die monstroese Moselbruecke muesse weiter gebaut werden nachgegeben haben +++ in aller Ernst behaupten sie, dass es gar nicht anders ging, obwohl sie nicht mal gegen Becks Unsinn gekaempft haben ! +++ wahrscheinlich glauben sie ihre eigene Argumentation, aber ich nehme es ihnen nicht ab +++ Gier nach politische Macht und nackte Opportunismus scheinen mir eher die Gruende fuer ihre 180 Grad Wendung +++ um mit Beck ins Bett zu steigen haben sie die Mosel preis gegeben +++ Shame on You Eveline Lemke !!! +++ diese spektakulaere Schwenk Richtung Umwelt-Vernichtung und Voodoo-Wirtschaftspolitik wirft die Frage auf, ob wir die Politik der Gruenen ueberhaupt noch Glauben schenken koennen +++ Renate Kunast, wir brauchen dringend ein Antwort auf dieser Frage ! +++mehr folgt hier die naechste Tage +++ um 18 Uhr MEZ am Dienstag, den 17. Mai geht WEINHIER online mit einem grossen Bericht zum Thema Beton, Politik und Wein

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Mein Wein Telegramm 125

Als ich letzten Donnerstag zurück nach einer Woche intensiver Verkostungen deutscher Weine des Jahrgangs 2010 zurück nach Berlin kam, wusste ich nicht mehr, wo oben und unten war +++ sicher, es gibt zahlreiche gute und manche großartige 2010 Weine, aber was sind die „typischen“ Eigenschaften des neuen Jahrgangs? +++ am letzten Montag auf der Mainzer Weinbörse kostete ich die süßen Riesling Spätlesen von Mosel und Saar (darunter eine ganze Reihe beeindruckender Gewächse), und alle hatten eine blitzig-brillante Säure sowie eine hinreißende Fülle an Aromen +++ die meisten trockenen Rieslinge aus dem Rheingau auf der Weinbörse zeigten sich hingegen ruppig-aggressiv in der Säure und waren dazu recht dünn, also ebenfalls säurereich, aber im negativen Sinn +++ in Franken lagen die meisten trockenen Silvaner dagegen mäßig bis niedrig in der Säure und schmeckten mehr oder weniger kremig +++ manchmal, wie beim Weingut Horst Sauer in Escherndorf, war das wunderbar, aber andere 2010 Franken Silvaner erinnerten mich geschmacklich an Butterkrem, was mir eindeutig zu heftig war +++ mein Fazit: weder die gelungenen noch die misslungenen Weine des neuen Jahrgangs haben wirklich etwas gemeinsam +++ eine ziemlich bizarre Situation, die mir zum ersten Mal im Leben begegnet

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Mein Weintelegramm 122

Zuerst ein großes Dankeschön an alle, die während der Feiertage WEINWUNDER DEUTSCHLAND auf BR3 angeschaut haben, vor allem die jenigen, die mir Mails geschickt haben mit Glückwünschen, Ausdruck ihrer Freude oder konstruktiver Kritik +++ jetzt ist es zwar vorbei, aber wir sind doch am Anfang! +++ die sechste und letzte Sendung der ersten Staffel wurde um 16:30 am Donnerstag, den 6. Januar ausgestrahlt, aber es ist immer noch alles auf www.br-online.de zu sehen +++ das war aber sicherlich nur das erste Mal, dass die Serie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, und in wenigen Wochen werde ich mich mit Alexander Saran, meinem Ko-Autor und Regisseur treffen, um die sechs Sendungen der zweiten Staffel zu schreiben +++ vielleicht sehen wir uns „on location“ während der Dreharbeiten zwischen Mai und Oktober +++ im Weinberg sehen wir etwa aus wie auf diesem Bild von mir mit Egon Müller während unserer Arbeit an der letzten Sendung der ersten Staffel +++ eine andere Möglichkeit ist im DB-Zug, wo ich mit Sicherheit weiter an meiner deutschen Grammatik pfeilen werde +++ wer ungeduldig ist und keinesfalls ein Jahr warten kann, bis die zweite Staffel ausgestrahlt wird, kann vorab im Buch WEINWUNDER DEUTSCHLAND von Tre Torri Verlag (siehe www.tretorri.de) einiges über die neuen Sendungen erfahren +++  durchaus vorstellbar ist es, dass die eine oder andere der stärksten Figuren aus der ersten Staffel, wie Thomas Hertlein vom Restaurant Blaue Donau (www.die-blaue-donau.de)in München-Schwabing unten im Foto von Sorin Dragoi, wieder vorkommen werden +++

ich werde ganz sicher einige erstaunliche neue Gäste haben und halte ein paar dicke Überraschungen bereit, aber eins wird sich gar nicht ändern +++ wir werden weiter das Thema Wein ernst nehmen und dabei versuchen das Maximum daran zu vermitteln +++ also einen großen Dank an Thomas Gruber, Petra Felber und Anna Martin bei BR, Ernst Geyer von Moviepool und die ganzen Leute bei Megaherz, an das WEINWUNDER DEUTSCHLAND Team (nein, Tonmann Peter Wuchterl, ich habe Dich nicht vergessen!) und die ganzen Winzer, die uns duldeten, als wir ihre Arbeitsplätze und Wohnräume auf den Kopf stellten, danke, daß sie an unsere simple aber bahnbrechende Idee glauben.

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Mein Weintelegramm 121

Wer die fünfte Folge meiner TV-Serie WEINWUNDER DEUTSCHLAND auf BR3 um 16:30 am Sonntag, den 2. Januar (auch auf www.br-online.de) sah, weiß, dass ich selber ein Wein erzeugte +++ die Sendung war zu kurz, um mein ganzes Weinbau-Abenteuer zu erzählen, dafür gibt es die Langversion im Buch zur Serie des Tre Torri Verlag (klick oben auf WEINWUNDER DEUTSCHLAND, um im Buch zu blättern), hier aber die Kurzversion angefangen mit dem Bild oben +++ sieht vielleicht aus, als sei es gestern gemacht worden, aber der Wein-Photograph Andreas Durst hat am Dienstag, den 17. Februar 2009 auf den Auslöser gedrückt+++ an jenem Tag habe ich den Rebschnitt der 10 Zeilen mit jeweils 40 Müller-Thurgau-Reben in der Lage Hasennest von Tauberzell im abgelegenen Taubertal fertiggestellt +++ die Kombination von kühlem Klima, steinigem Muschelkalkboden und Südwest-Exposition erlaubt den Stahls hier ungewöhnlich ausdruckstarke, mineralische Weine aus der bescheidenen Müller-Thurgau-Traube zu erzeugen +++ mein Ziel war ein konzentrierter und komplexer trockener Weißwein von Grand Cru / Großes Gewächs Format, und was ich in zwei Semestern als „Gasthörer“ auf der berühmte FH für Weinbau in Geisenheim lernte, hatte mich überzeugt, dass dies möglich sein müsse+++ eine Stunde nachdem Durst das Rebschnitt-Bild machte, lösten sich meine Handschuhe auf, mein ipod streikte und Wasser begann durch meine angeblich wasserdichte Jacke zu sickern

+++ das zweite Bild zeigt mein „Winzer Rodeo“ am Samstag, 4. April, als ich den Stahlschen Sitzflug ritt+++ es vermittelt ziemlich gut, wie steil der Berg ist (68%) +++ das und meine Entscheidung gegen den Einsatz von chemischen Herbiziden führte zu harten Arbeitsstunden mit der Hacke, angefangen mit acht Stunden am Mittwoch, den 13. Mai; der härteste Arbeitstag meines Lebens! +++ die letzten Tage Arbeit im Weinberg vor der Lese, am Montag, den 17. und Dienstag den 18. August habe ich mit Hilfe meines Geisenheim-Kumpels Helmut Reh vollbracht+++ zusammen machten wir das „Fine-Tuning“, sorgten also dafür, dass jede Traube gut exponiert zur Morgensonne hing, um die Reife nochmals zu fördern und das Fäulnisrisiko zu minimieren +++ Helmut und eine Gruppe Freunde (danke nochmals an alle!) erschienen am Mittwoch, den 30. September 2009 in Tauberzell, um mit mir die Trauben zu lesen.

+++wie das dritte Durst-Foto zeigt, trennten wir ganz streng die goldgelben von den edelfaulen Beeren +++ die zwei Partien Trauben wurden getrennt entrappt und angequetscht, aber am nächsten Tag nach 15 Stunden Maischestandzeit, Kelterung und Klärung durch Schwerkraft schmeckte der Saft aus den edelfaulen Trauben so gut, dass ich die beiden Partien zusammenfügte +++ die „Spontangärung“ mit einem sogenannten Gäransatz (10 Liter gärender Wein) von Weingut Luckert in Sulzfeld dauerte dank diesen robusten „wilden“ Hefen nur zwei Wochen +++ dann begann der mühsame Prozeß, den Wein gefühlvoll zu bestmöglicher Harmonie zu lenken, trotz seinem Alkoholgehalt von 14,1% +++ ohne die Hilfe und Ratschläge von Christian Stahl wäre das Ergebnis nie so gelungen +++ abgefüllt wurde am Mittwoch, den 24. März 2010 +++ das Abfüllen ist ein ziemlicher Schock für jeden Wein, und meiner hat viele Monate gebraucht, bis er sich wieder einigermaßen gut präsentierte, weshalb die offizielle Präsentation erst am 5. September 2010 in Berlin stattfand +++ falls Sie ihn kosten wollen, kommen Sie zu einer der Präsentationen von dem Buch WEINWUNDER DEUTSCLAND (einen Dank nochmals an meinen Ko-Autor Manfred Lüer) im Frühling, aber davor können Sie die letzte Folge der TV-Serie um 16:30 Uhr am Mittwoch, den 6. Januar sehen

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Mein Weintelegramm 120

Wilkommen bei www.stuartpigott.de im Zeitalter von WEINWUNDER DEUTSCHLAND, der BR3 TV-Serie (siehe auch www.br-online.de) die ich mit Co-Autor und Regisseur Alexander Saran, Kameraman Sorin Dragoi (der auch das Bild von mir oben gemacht hat), Kamera-Assistent Florian Bschorr und Tonmann Peter Wuchterl gemacht habe +++ für viele von Ihnen sind diese Zeilen das erste Werk von Stuart Pigott, das Sie überhaupt lesen, aber für andere sind sie nur das neueste Stück im langjährigen Pigott-Leseprogramm +++ für eine große Dosis neue Pigott-Arbeit zum Lesen gibt es das Buch zur Serie, das ich mit Manfred Lüer geschrieben habe (bitte oben auf WEINWUNDER DEUTSCHLAND klicken, um im Buch zu blättern), das gerade im Tre Torri Verlag erschienen ist +++ für alle Newcomer beantworte ich jetzt die drei Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden+++ zuerst: “Mr. Pigott, wie kommt ausgerechnet ein Engländer dazu Weinexperte zu werden ?” +++ Frankreich, Italien und Spanien sind nach wie vor die weltgrößten Weinbauländer, weshalb viele Menschen meinen, von dort müssten auch die Weinexperten kommen +++ das Problem ist, dass der Blick auf den Wein der meisten Franzosen, Italiener und Spanier aus patriotischen Gründen stark verzerrt wird +++ England mag dagegen kein großartiges Weinbauland sein (obwohl die Insel inzwischen mehr Weinberge hat als die neuen Bundesländer), aber es ist traditionsgemäß ein Land von Weinhändlern +++ als England seinen Besitz in Frankreich im Mittelalter verlor, mussten wir Wein importieren +++ aufgrund zahlreicher Kriege mit Frankreich mussten wir häufig die Quellen wechseln, daher haben unsere Weinhändler ein fundiertes Wissen aufgebaut +++ nachdem der arme Student Stuart Pigott 1981 durch “Zufall” Weinkellner im Restaurant der Tate Gallery/London geworden war, wurde ihm ein Teil dieses Wissens vermittelt +++ die Weinwelt hat sich aber seitdem genauso stark verändert wie der Rest der Welt und ein Teil dieses Wissens – z.B. “der deutsche Wein ist leicht und süß” – war schon damals veraltet +++ weiter zur zweiten Frage: “Warum Deutschland Mr. Pigott ?” +++ Deutschland mag immer noch bekannter sein für sein (oft gutes) Bier, Wurst und Sauerkraut oder für seine wunderschönen Wälder, Schlösser und Flüsse sein als für Weinberge und Weine, aber letztere sind bedeutende und lebendige Teile der deutschen Traditionen +++ September 1982 bereiste ich erstmals ganz bewußt Wein-Deutschland und war auf Anhieb fasziniert, obwohl es damals ziemlich schwierig war, richtig gute deutsche Weine zu finden +++ Ende 1993 zog ich nach Berlin, von wo ich die wunderbare Verwandlung des deutschen Weins seitdem verfolge +++ ich berichte darüber auch in meiner Kolumne “Reiner Wein” in der FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG, der allwöchentlich seit der erste Ausgaben der Zeitung im September 2001 erscheint +++ fast alle meine Bücher sind “nur” in deutscher Sprache erschienen, was etwas traurig ist, weil es die Leserschaft ziemlich einschränkt +++ jetzt zur letzten Frage: “Woher kommen diese großkarierte Sakkos, Mr. Pigott ?” +++ sie sind alle von der britischen Designerin Vivienne Westwood, deren Kleidung ich seit fast 20 Jahren trage +++ aber manchmal zwingt mich das Wetter, auch beim Dreh (siehe das Foto von Florian Bschorr unten mit Sorin Dragoi links und Peter Wuchterl rechts), was Praktisches darüber zu ziehen +++ manchmal ist TV machen so hart wie das echte Leben !

+++ die nächste Sendungen folgen um 16:30 Uhr am Frietag, 31.12, Samstag, 01.01 und Montag 02.01

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Mein Weintelegramm 119

bisher kannten mich manche als der in Berlin lebende britische Weinjournalist, andere als der Weinkolumnist der FRANKURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG und noch andere als der Autor zahlreicher (vorwiegend deutschsprachiger) Weinbücher, doch das wird sich um 16:30 Uhr am ersten Weihnachtsfeiertag schlagartig ändern +++ dann wird der erste Folge von WEINWUNDER DEUTSCHLAND auf BR3 (auch auf www.br-online.de) ausgestrahlt und unzählige Tausend ahnungsloser Deutscher werden mich als der witzige Engländer in großkarieren Sakkos kennenlernen +++ das Foto oben von Kamera-Assistent Florian Bschorr von mir mit Regisseur Alexander Saran (der auch die Maske machen musste) auf dem Dreh beim Weingut Tesch in Langenlonsheim/Nahe zeigt mich ein wenig anders, als man mich ab dem 25.12 auf der Glotze sehen wird +++ ein deutscher Kollege sagte mir einmal, „man sagt, man möchte den Wald nicht anzünden, doch dann stellt man fest, dass man mit Streichhölzern herumspielt“ und genauso fühle ich mich jetzt in Bezug auf dieses TV-Projekt +++ ich habe immer gesagt, dass mir Berühmtheit nicht wichtig ist, sondern möchte, dass mehr Menschen meine Texte lesen, aber jetzt habe ich etwas getan, dass meine Bekanntheit massiv steigern könnte+++ vielleicht war es gut, dass ich am Montagvormittag wegen des Flugchaos nicht zur Pressekonferenz für die erste Staffel von WEINWUNDER DEUTSCHLAND nach München reisen konnte +++ daher konnten die Journalisten den Stuart Pigott auf dem Bildschirm nicht mit dem echten Stuart Pigott vergleichen und letzteren als deutlich schwächer empfinden +++ schon bevor noch eine einzige Sekunde ausgestrahlt wurde, scheinen wir eine echte Kontroverse angezettelt zu haben +++ einige paranoide Menschen in der deutschen Ökoweinszene haben wegen einiger weniger Worte in einem BR-Pressetext mit rechtlichen Schritte gedroht! +++ anderseits spüren wir die steigende Vorfreude des Publikums auf die erste deutsche TV-Sendung, die sich traut gleichzeitig zu informieren und zu unterhalten, und das mit einer Bildqualität weit über dem Üblichen, dank der Arbeit von Kameramann Sorin Dragoi +++ wenn man bedenkt wie voll gestopft das deutsche Fernsehen mit dummen Kochsendungen und peinlichen TV-Köchen ist, ist es geradezu absurd, wie wenig Platz und Fantasie in den letzten Jahren dem Thema Wein gewidmet wurde, aber genau das ist natürlich unsere große Chance +++ darüber haben wir uns auf dem Dreh aber selten Gedanken gemacht, weil wir unter solch einem Zeitdruck gearbeitet haben +++ erst bei der Endvertonung im Münchener Studio von Megaherz mit dem Tontechniker, dem Heiligen Ingo (Guski) wurde mir schlagartig klar am Ende des ersten Tags, „Shit ! Das Ding funktioniert nicht nur sehr gut, es ist auch ganz anders als alles andere, das ich in der letzten Zeit auf der Glotze gesehen habe“ +++ ob Sie es gut oder Scheiße finden, müssen Sie selber entscheiden, und ich möchte Sie keinesfalls in eine Richtung drängen, aber schauen Sie mal das zweite Bild von Florian Bschorr an – da muß man doch einfach die erste Sendung anschauen – oder?

+++ Frohe TV-Weihnachten und ein gutes Neues TV-Jahr !

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Mein Weintelegramm 118

ich berichte zwar „nur“ über Wein, aber immer wieder führt eins zum anderen, und plötzlich bin ich ganz weit weg von zu Hause und von meinem theoretischen Thema +++ ich bin gerade rechtzeitig zurück aus Nordungarn und dem angrenzenden Burgenland in Österreich (das bis 1920 Deutsch West-Ungarn hieß) für die Pressekonferenz für WEINWUNDER DEUTSCHLAND am Montag, den 20. Dezember, mittags im Theater Oblomov im Glockenbackviertel von München +++ das scheint vielleicht ein wenig knapp, wenn man bedenkt, dass die erste Sendung um 16:30 Uhr am Samstag, den 25. Dezember auf BR3 (auch auf www.br-online.de) ausgestrahlt wird, aber den Zeitungsjournalisten und Bloggern läßt es mehr als genug Zeit, um uns zu verdammen oder bejubeln, ganz wie sie es für richtig halten +++ unsere Verkostungstour hatte die Rotweine der einheimischen Rebsorte Kékfrankos als Hauptthema, die in Österreich Blaufränkisch und in Deutschland Lemberger heißt +++ entlang des Kékfrankos-Weg haben wir so viele andere Sachen wie nur möglich mitgenommen, und am Ende der genialen Verkostung bei der Wiener Fleischerei Thum (siehe www.thum-schinken.at) kurz vor unserem Rückflug hatte ich Angst, durch übertriebenen Konsum von Fleisch, Speck, Schinken und Wurst aus dem ungarischen Mangalitza-Schwein mich selber in solch ein Borstenvieh zu verwandeln (siehe erstes Bild)! +++ unsere Kékfrankos-Tage wurden von Zoli Heimann vom Weingut Heimann in Szekszárd organisiert, das mit einem sehr eleganten Einzellage-Kékfrankos 2008 aufwarten kann (siehe Foto und www.heimann.hu)

+++ leider werden die meisten der besten neuen ungarischen Weine in Mini-Auflagen erzeugt, und viele davon verschwinden in einem Netzwerk von einheimischen Weinfreunden rund um den Unternehmer, Winzer und Weinhändler József Szentesi (siehe www.kezmuvesborok.hu) +++ die Weine von Franz Weninger Jr. in Sopron bieten eine seltene Gelegenheit, authentische ungarische Kékfrankos zu erleben, und sein 2009 aus der Spitzenlage Spern Steiner wird vermutlich für großes Staunen sorgen, wenn er auf den Markt kommt +++ wie lange dauert es, bis Ungarn dem Burgenland Paroli bieten kann ? +++ unsere letzte Weinverkostung bei Moric (Roland Velich) in Grosshöflein machte klar, wie neu die burgenländische Blaufränkisch-Revolution ist +++ eigentlich begann es mit dem Jahrgang 2002 vom Neckenmarkt „Alte Reben“ von Moric; heute ein Kultwein, der von allen Schwergewichten des internationalen Weinjournalismus gelobt wird +++ erfreulicherweise ist der große und wohlverdiente Erfolg Roland Velich nicht in den Kopf gestiegen und er half seiner Frau Dagmar uns ein tolles regionales Essen zu kochen +++ das letzte Foto zeigt, wie er Kürbis mit dem ungemein aromatischen Safran von Hannes Pintenitz serviert (siehe www.panonnischer-safran.at)

+++ während der nächsten Wochen, wenn WEINWUNDER DEUTSCHLAND mein schmales Gesicht, meine großkarierten Jacken und den englischen Akzent in die Wohnzimmer zahlreicher ahnungsloser Deutschen beamt, werde ich versuchen, seinem guten Vorbild zu folgen.

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Mein Weintelegramm 117

das Bild ganz oben zeigt den magischen Moment am Freitagvormittag in Bernkastel-Kues/Mosel, als Hendrik Hering (SPD), der in Rheinland Pfalz für Weinbau und Verkehr verantwortliche Minister, den Preis für HYPOKRIT DES JAHRES 2010 in Empfang nahm +++ den Preis hat er für seine Behauptung gewonnen, er unterstütze Moselwinzer und Moseltourismus, während er gleichzeitig den Moselhochübergang (eine gigantische Betonbrücke über die Mosel) & B50neu (die Zubringerstraßen dafür) vorantreibt +++ mit der Trophäe kamen 23.000 Unterschriften (darunter auch meine) gegen das Mammut-Straßenbauprojekt, dass dem Moseltourismus zweifelsohne schaden wird und eine Reihe von Spitzenlagen bedroht, allen voran die weltberühmte Wehlener Sonnenuhr +++ von diesen und anderen Bildern von der Preisverleihung am Montag kommt es mir vor, als ob Herr Hering zuerst versuchte zu tun, als ob das alles sehr witzig sei, sich dann aber sehr unwohl fühlte, als er mit dem Ausmaß der Opposition gegenüber diesem Projekt konfrontiert wurde +++ vielleicht ist das verständlich, Gerüchte sagen, er stehe selbst nicht hinter dem „Hochmoselübergang“ und treibe das Ganze nur wegen seiner politischen Karriere voran +++ mein Bauch sagt mir, dass sich Herr Hering hinter seiner glänzenden politischen Maske bei jedem stimmigen Argument von uns Hochmoselübergang-Gegnern schmerzhaft getroffen fühlt, weil dies seine leeren Behauptungen entlarvt +++ vor wenigen Tagen bin ich selber an die Mosel gefahren, um die ersten hässlichen B50neu-Narben in der Landschaft oberhalb von Graach und Zeltingen im Moseltal anzuschauen +++ das zweite Bild zeigt mich vor einem der Schauplätze der Vernichtung +++ warum lächele ich trotz der schrecklichen Szene hinter mir? +++ ganz einfach, weil ich dieses Krisengebiet mit zwei der wichtigsten Gegner besichtigte, der Britin Sarah Washington und dem Deutschen Knut Auermann, und sie mich überzeugten, daß wir es schaffen werden: WE WILL OVERCOME! +++ sie sind nicht nur der Regierung von Rheinland-Pfalz intellektuell weit überlegen, Sarah hat schon politische Kämpfe gewonnen, die aussichtsloser erschienen als dieser +++ wenn Hendrik Hering wirklich klug wäre, dann würde er sofort Hochmoselübergang & B50neu streichen und Sarah Washington die Führung seiner politischen Kampagne anvertrauen

+++ so würde er viel weiter kommen als mit seiner momentanen Strategie +++ schaut mal das Bild an von Sarah und Knut, als sie einen der bedrohten Bäume umarmen, um ihn zu schützen +++ ich meine, wer kommt sympathischer rüber, der graue Mann im grauen Anzug, der gerade HYPOKRIT DES JAHRES 2010 geworden ist oder meine Freunde ? +++ die Gerüchteküche sagt auch, dass die ersten Angebote für den Bau des Hochmoselübergangs von Baufirmen alle bei 200 Millionen Euro oder darüber liegen; weit über den 105 Millionen, die von der Rheinland-Pfalz-Regierung geplant wurden +++ wo soll der zusätzliche Millionenstapel herkommen ? +++ ich würde sagen, Freitag war ein ganz schlechter Tag für Hendrik Hering, aber viel Sympathie habe ich nicht +++ der Preis war wohl verdient und das weiss er auch!

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