Meine Entdeckung von Günther Steinmetz von Frank Ebbinghaus

Mit wärmsten Empfehlungen hatte ich einen Sixpack zum Probieren bekommen. Von einem Weinfreund, der einen übrig hatte, weil er versehentlich doppelt bedacht worden war. Bedacht von wem? Von einem Mosel-Winzer, den ich nicht kannte. Mosel finde ich immer spannend. Aber in diesem Fall war meine Neugier etwas gedämpft. Nicht wegen der langweiligem Etikett mit einem Allerweltsnamen drauf, sondern weil mir das Loblied auf die Rieslinge des Weinguts Günther Steinmetz (Brauneberg/Mosel) schon aus allen Ecken des World-Wide-Web entgegengeschwirrt war. Mir scheint alle, wirklich alle haben die Steinmetz-Weine probiert und finden sie toll. Eine Blase. Konsensweine sind aber nicht mein Ding.

Ich schob die Weine also erst mal in meinen Büro-Kühlschrank und spielte auf Zeit. Dann hat der Klimek über Steinmetz geschrieben (http://www.thewineparty.de/2015/09/stefan-steinmetz-guenther-steinmetz-riesling-schiefer-mosel-mineralisch/), und zwar so kreuzbrav, dass ich erst recht keine Lust mehr hatte. Die Flaschen blieben in meinem Büro, aber das war kein Zustand. Ungute Schwingungen bereiteten sich von dort aus und beeinträchtigten meine Arbeit. Ich beschloss, die Flaschen mit nach Hause zu nehmen und sie dort aufzureißen. Probieren, wegschütten, vergessen: Das war der Plan. Ich habe sie dann aber leergetrunken, alle, keinen Tropfen gespuckt. Von den sechs Flaschen war nur eine dabei, die mich nicht völlig begeisterte. Aber auch sie habe ich bis zum letzten Schluck geleert. Später mehr dazu.

Dann habe ich den Winzer Stefan Steinmetz (Weingut Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel) angerufen und ihn gefragt, wie man ohne die üblichen, Aufmerksamkeit erregenden Rituale zu bedienen (z.B.: Orange-, Naturweine, neues Holz, Porno-Etiketten, Amphoren im Weinberg vergraben und den Vollmond anheulen undsoweiter), ja, diese sogar lässig unterlaufend und nur auf die Flüssigkeit als solche setzend zu einem Blogger-Liebling werden kann.

Das ist keine Frage, die ihn bewegt. Vor fünf, sechs Jahren habe er mit Facebook angefangen und sich in zahlreiche Weindiskussionsrunden eingeklinkt. Seine Weine fürs WWW entdeckt habe der ehemalige Blogger Christian Seegers. So kam eins zum anderen. Ein internetaffiner junger Winzer, also, ohne erkennbare Marketingstrategie. Am Telefon wirkt Stefan Steinmetz gut sortiert und klar im Kopf. Er hat präzise Vorstellungen von moseltypischem Riesling. „Der traditionelle Moselstil war nie süß, sondern trocken bis feinherb“, weiß er. Und so schmecken auch seine Weine. Im Keller übernehmen die natürlichen Hefen das Kommando, lediglich die Gärtemperatur wird kontrolliert, damit die Gärung nicht zu heftig abläuft. Fetteres Lesegut kommt ins Stahl, feineres, säurestärkeres ins Holz. Auf die Säurewerte achtet Stefan Steinmetz grundsätzlich nicht, auch ist ihm egal, ob die Weine analytisch „trocken“ werden oder nicht. Harmonie und Typizität sind ihm wichtig. Und nicht nur in dieser Hinsicht sind seine 2014er richtig gut gelungen. Kaum einer der probierten Weine hat mehr als zwölf Prozent Alkohol. Aber alle schmecken richtig trocken, besitzen viel Spiel, das der tollen Schieferwürze und den feinen Fruchtaromen Raum zur Entfaltung gibt. An den Steinmetz-Rieslingen ist nichts übertrieben, sie sind herrlich ausgewogen, moselanisch zart und kraftvoll zugleich. Das Zehn-Hektar-Weingut verfügt über Besitz in einer Reihe von Spitzenlagen wie Brauneberger Juffer, Wintricher Ohligsberg oder Piesporter Goldtröpfchen, die jedem Wein Klasse und Individualität verleihen.

Zart, mineralisch (dieses Wort gehört einfach hierher) und fast trocken schmeckt der 2014 Brauneberger Juffer Riesling Kabinett feinherb, dessen etwas rustikale Säure sich nach längerem Luftkontakt harmonisiert – ein schöner Sommerwein. Der 2014 Brauneberger Riesling riecht verhalten nach gelben Pflaumen und Pfirsich, schmeckt sehr saftig und entwickelt durch die lebendige Säure einen kräftigen mineralischen Zug. Viel weiße Pfirisichfrucht mit einem Hauch Litschi und zarten Kräuternoten zeigt hingegen der 2014 Wintricher Geyerslay Riesling Sur Lie, der trotz seiner feinen Cremigkeit kühl und elegant daherkommt. Etwas aus dem Rahmen fällt der 2014 Brauneberger Juffer Riesling -HL-, der fast ein wenig streng nach Safran schmeckt. Am besten gefielen mir zwei Weine, die unterschiedlicher kaum sein können. Während der 2014 Piesporter Goldtröpfchen Riesling -GP- mit seiner reifen fokussierten Säure geradezu unwiderstehlich nach der Haut eines reifen Pfirsichs schmeckt, ist der 2014 Wintricher Ohligsberg Riesling ein von Nebel umwaberter Berg, dessen gewaltige Ausmaße sich erst mit der Zeit erweisen werden.

Bevor der super-duper, bereits jetzt gehypte (ohne dass jemand probiert hätte) Jahrgang 2015 an den Start geht und die auf ihn vielstimmig gesungenen Hymnen bald alles vergessen machen wollen, was vorher war, sollten wir uns noch einmal zurücklehnen und bei einer Flasche Steinmetz-Riesling den Jahrgang 2014 hochleben lassen.

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