Weintelegramm 104

Es war eine überaus erstaunliche, ja atemberaubende Woche. +++ Wie viele von Ihnen schon gelesen haben, fing sie letzten Sonntagabend mit INTERNATIONAL RIESLING RESCUE im Restaurant Hot Spot in Berlin-Wilmersdorf an. +++ Das Ziel dieser weltumspannende Bürgerbewegung ist den Hochmoselübergang zu stoppen – eine immense Betonbrücke über die Mosel, die Spitzenlagen wie Wehlener Sonnenuhr, Zeltinger Sonnenuhr, Graacher Himmelreich und Bernkastler Doctor bedroht. +++ Am Montag gab es im Radio bei SWR ein Streitgespräch zwischen Siegfried Englert, Staatssekretär für Weinbau in Mainz, und mir. +++ Engelhart wies meinen Vergleich zwischen den Weine der bedrohte Lagen und dem Kölner Dom, Goethe und Beethoven als überzogen zurück, bzw. er redete die weltberühmte Weine aus Rheinland-Pfalz herunter! +++ So negativ sind unsere Gegner! +++ Am nächsten Morgen bekam ich von ihm und seinem Mitarbeiter E-Mails, die mir Einsicht in das Gutachten zum Bauprojekt anbot. +++ Weil Mainz über 500 Kilometer entfernt von meinem Schreibtisch in Berlin ist, ich massig Termine habe und die Lektüre solche Akten viel Zeit erfordert, habe ich um Kopien per E-Mail gebeten. +++ Bisher habe ich weder ein Antwort noch Dateien oder Post erhalten! +++ So anti-demokratisch sind unsere Gegner! +++ Am Dienstag, den 13. April, begann die überwältigende Resonanz auf unseren Protest mit vier tollen Zeitungsberichten. +++ Auf der ersten Seite der SZ erschien ein sehr sachlicher und für uns positiver Bericht von Michael Bauchmüller. +++ Ähnliches war auf Seite 4 der FAZ zu lesen, aber ein kritische Punkt fehlte: die Bedrohung der Spitzenlagen wird vorwiegend durch die Veränderung des Wasserhaushalt im Berg verursacht, nicht durch Beschattung. +++ DIE WELT widmete unserem Kampf fast die ganze Seite 8 und war nur in einem Punkt einer anderen Meinung; Holger Kreitling zweifelte daran, ob die Sache noch zu stoppen sei. +++ Dagegen war die ganze Seite 39 der FRANKFURTER RUNDSCHAU deutlich optimistischer. +++ Am Mittwoch, den 14. April, berichtete BILD auf Seite 10, der Ton sachlich, aber durchaus auf unserer Seite. +++ Dabei auch – wie in anderen Zeitungen auch – eine Computer-Simulation des Betonmonstrums, das vielen Deutscher anschaulich diesen Wahnsinn näherbringt. +++ Leider habe ich den Bericht am gleichen Tag in LA STAMPA verpasst. +++ Kann ihn mir jemand bitte mailen? +++ Dann gestern, Donnerstag, den 15. April, kam der Bericht von Ijoma Mangold auf Seite 46 in DIE ZEIT, der die politische Geschichte des Projekts messerscharf analysiert. +++ Er schließt mit den Worten: „Es ist schon spät, aber es kann nicht sein, dass im Jahr 2010 der Hochmoselübergang gebaut wird.“ +++ Bravo! +++ Gestern habe ich REUTERS ein zweisprachige TV-Interview gegeben, dass hoffentlich die internationale Verbreitung unseres Kampfes steigern wird. +++ Ich habe den Hochmoselübergang mit dem Terminator vergleichen, und wer die Filme kennt, weiß, dass er immer gestoppt wird. +++ Herrliche Entspannung bot Martin Tesch am Dienstagabend im Gibson Showroom an. +++ Da präsentierte er seine kompromisslose 2008 trockene Rieslinge (vitalisierend der UNPLUGGED, saftig die KRONE, komplex und tief der ST. REMIGIUSBERG), und Hanan Rubenstein bewies sein großes Talent als Gitarrist und Sänger. +++ Genial ist seine radikal neue Interpretation von Bob Dylans „All along the Watchtower“. +++ Der Text klingt, als ob er für unseren Kampf geschrieben wurde. +++ Rubensteins erste Album kommt erst später im Jahr, aber Hendrixs Version auf Electric Ladyland ist auch ein Volltreffer. +++ Lieber Hendrik Hering, hören Sie genau zu und denken nach: THE TIME IS GETTING LATE.

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